Die entscheidende Frage ist nun: Wenn es das assoziative Lernen, wie es im Behaviorismus konzeptualisiert wurde, gar nicht gibt, warum war es konzeptuell so erfolgreich und wirkt bis in die heutige Zeit hinein?
Die zentrale Idee des Behaviorismus im Bezug auf Lernprozesse war, dass durch einfache Kontingenzen (in der Regel Belohnung und Bestrafung), beliebige assoziative Verknüpfungen im Kopf des Lernenden hergestellt und auch wieder gelöscht werden. Eine Lehrperson kann also durch geschickte Manipulation und eben auch Manipulationsketten scheinbar beliebige Lernprozesse bei den zu unterrichtenden Personen initiieren. Der Lehrende bekommt damit scheinbar die vollständige Kontrolle über die Lernprozesse des Lernenden. Diese Idee der Kontrolle über andere Menschen, in diesem Fall über die Lernenden, ist es, was die Konzeption des Behaviorismus so verlockend für viele Menschen macht. Diese Illusion der Kontrolle kann natürlich so lange beibehalten werden, so lange die Mechanismen von Belohnung und Bestrafung konsequent aufrechterhalten werden.
Die behavioristischen Konzeptionen, etwa von Burrhus F. Skinner, gingen so weit, dass durch hierarchische Verstärkerpläne ganze Wissensteppiche gewebt werden sollten. Trotz der weitestgehenden Erfolglosigkeit des Ansatzes von Skinner, werden behavioristische Ideen, oft auch unreflektiert in Lehr-Lernkontexten eingesetzt und finden bis heute ihren Eingang auch in wissenschaftliche Publikationen.
Ein differenziertes Review zum Einfluss der behavioristischen Ideen von Murtonen, Gruber und Lethinen (2017) findet sich hier: Murtonen, M., Gruber, H., & Lehtinen, E. (2017). The return of behaviourist epistemology: A review of learning outcomes studies. Educational Research Review, 22(Supplement C), 114-128. https://doi.org/10.1016/j.edurev.2017.08.001
Ein praktischer Blick auf das Lernen in der Schule findet sich etwa hier:
Die ist ein ergänzender Blog-Beitrag zum Buch:
Martens, T. (2024). Pädagogische Psychologie. Ein Überblick für Psychologiestudierende und -interessierte. Springer. https://www.doi.org/10.1007/978-3-662-69810-5

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