Welcher Motivationstyp bin ich?

Vorbemerkung: Motivationale Prozesse wie sie in Integrierten Lern- und Handlungsmodell beschrieben werden, sind – und dies liegt ja im Grunde schon durch die theoretischen Annahmen verankert – dynamisch und handlungsspezifisch. Eine Typologie von Motivationsprozessen im engeren Sinne ist also eigentlich nicht sinnvoll. Trotzdem sind motivationale Prozesse oft über viele Jahre hinweg stabil. Etwa Lernmethoden, die eigentlich schon längst nicht mehr effektiv sind, werden einfach beibehalten. Ein Wechsel der Lernmethoden findet oft erst nach einem einschneidenden Erlebnis statt, etwa wenn eine Prüfung nicht bewältigt werden konnte. Die nachfolgenden Motivationstypen konnten in allen Studiengängen identifiziert werden, die wir untersucht haben.

Die fünf Motivationstypen unterscheiden sich besonders in Bezug auf die Konstrukte der Ausführungsphase (Volitionsphase). Der selbstbestimmte Motivationstyp (16,6%) lässt sich nicht so leicht vom Lernen ablenken (Ablenkung), kann auch bei schwierigen Aufgaben seine gute Laune wieder herstellen (Emotionsregulation) und kann sich über eine lange Zeit anstrengen (Durchhalten). Das Gegenbild bildet der Typus, den wir mit rezessiver bzw. vermeidender Lernmotivation beschrieben haben (17,1%): Er kann die Bedrohungswahrnehmung (Mißerfolgsangst) nicht unterdrücken, die Kompetenzerwartung ist gering, die Ablenkungsneigung dafür hoch. Es fehlt an selbstkongruenten Zielen und an einer erfolgreichen Regulation von negativen Gefühlen. Dieser Typus neigt am extremsten von allen zum Aufschiebeverhalten und besitzt wenig Durchhaltevermögen. Eine Gruppe von 20% zeichnet sich durch eine angstbestimmte Lernmotivation aus: Angehörige dieser Gruppe haben eine hohe Bedrohungswahrnehmung und verfügen nicht über repressive Coping-Strategien; dabei zeichnen sie sich allerdings durch eine hohe (versuchte) Verantwortungsübernahme für den Lernprozess aus. Der angstbestimmte Typus unterscheidet sich vom vermeidenden Typus durch etwas bessere Werte bei Abschirmung, Emotionsregulation und Prokrastination aus. Der pragmatische (25,9%) und der strategische Motivationstyp (20,5%) haben ein vergleichsweise ähnliches Profil. Beim strategischen Typus sind allerdings die Bedrohungswahrnehmung und die Neigung zur Verantwortungsübernahme stärker ausgeprägt. Im Vergleich zu den Lernenden mit der selbstbestimmten Lernmotivation haben sie schwächere Werte in Abschirmung, Erfolgserleben, Emotionsregulation, Aufschiebeneigung, Anstrengung trotz negativer Gefühle und gehen in diesen latenten Variablen mit dem Typus des angstbestimmten Lerners konform. Ansonsten liegen beide auf einem mittleren Niveau.

Auszug aus:

Metzger, C., Schulmeister, R. & Martens, T. (2012). Motivation und Lehrorganisation als Elemente von Lernkultur. Zeitschrift für Hochschulentwicklung, Jg.7 / Nr.3 [Researchgate: Full Text] [DOI: 10.3217/zfhe-7-03/05]

Darüber hinaus konnten einige Motivationstypen identifiziert werden, die sich nur unter spezifischen Studienbedingungen ausgeprägt haben; etwa wenn die Studienausgangslage

a) besonders bedrohlich (BWL) oder

b) besonders unübersichtlich (Pädagik) war oder

C) der Studienabschluss in Reichweite lag (Informatik).

Dies ist ein ergänzender Blog-Beitrag zum Buch:

Martens, T. (2024). Pädagogische Psychologie. Ein Überblick für Psychologiestudierende und -interessierte. Springer. https://www.doi.org/10.1007/978-3-662-69810-5

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